Dr. Dominik Spitzer: Kampf gegen die Corona-Krise - Was jetzt wichtig ist

Corona-Virus
17.03.2020

Die Ausbreitung des Corona-Virus stellt Bayern, stellt Deutschland, stellt die Welt vor enorme Herausforderungen. Um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, sind weitreichende Maßnahmen nötig. Die bayerische Staatsregierung hat daher am Montag in den Krisenmodus geschaltet, in Bayern gilt ab sofort der Katastrophenfall. Wir müssen jetzt alle zusammenstehen. Jeder kann helfen.

Das neue Corona-Virus mit der Bezeichnung Sars-CoV-2 breitet sich immer mehr in Bayern aus. Es kann schwere Atembeschwerden, Lungenentzündungen und hohes Fieber auslösen – und zum Tod führen.

Die durch das Virus ausgelöste Erkrankung wird Covid-19 genannt. Das Corona-Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar – offenbar über Tröpfcheninfektionen. Da sich Sars-CoV-2 exponentiell ausbreitet, sind Maßnahmen wie die Schließung von Schulen, Bars und Geschäften nötig. Aber es kann auch jeder selbst dazu beitragen, die Verbreitung einzudämmen.

 

Wie man sich und andere schützt:

  1. Kontakte zu anderen Menschen so weit wie möglich minimieren.
  2. Nach Möglichkeit daheimbleiben, Menschenansammlungen vermeiden.
  3. Bei grippeähnlichen Symptomen in Selbst-Quarantäne begeben und die Hotline 116 117 anrufen.
  4. Empfohlenen Hygiene-Regeln einhalten. Dazu gehören: regelmäßiges Händewaschen mit Seife je mindestens 20 Sekunden lang und sorgfältig abtrocknen; Verzicht auf Händeschütteln; Niesen und Husten in die Armbeuge.
  5. Kontakt mit Erkrankten meiden.
  6. Nicht ins Gesicht fassen.
  7. Alle unnötigen Reisen innerhalb Deutschlands vermeiden.
  8. Öffentliche Räume als kontaminiert betrachten.
  9. Ausreichend Abstand zu anderen einhalten – mindestens 1,5 Meter.

 

Wo und wie Sie sich über das Virus und die Lage informieren können:

 

Was jetzt Wichtig ist:

 

Künstliche Intelligenz (KI) bei Telefonansagen nutzen

Nach aktueller Empfehlung der bayerischen Staatsregierung sollen sich Bürger mit Verdacht auf eine Erkrankung an Covid-19 an die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 wenden. Diese ist leider chronisch überlastet. Viele Betroffene verweilen mehrere Stunden in der Warteschleife, um dann doch die Arztpraxen aufzusuchen. Eine intelligente Telefonansage könnte die Anruferströme lenken und in der Wartezeit mit wichtigen Informationen versorgen. Wir sollten die Implementierung der KI in diesem Bereich unbedingt fördern.

Testungen effizienter gestalten

Ärzte und Krankenhäuser sind mit der Masse an Verdachtsfällen überlastet. Teilweise befinden sich mehrere hundert Patienten auf Wartelisten. Zudem kann es dauern, bis ein Ergebnis vorliegt – in manchen Fällen mehrere Tage. Das verunsichert die Betroffenen und deren Angehörige. Dieser Zustand ist nicht nur für Verdachtsfälle problematisch, sondern kann auch unsere systemrelevante Infrastruktur gefährden. Deshalb müssen wir darauf hinwirken, dass die Tests möglichst schnell vonstattengehen. Hierbei haben sich sogenannte „Drive-Inn-Testlabore“ als effizientes und hygienisches Mittel herausgestellt, welches es in den Bayerischen Pandemieplan aufzunehmen gilt.

Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) besser ausstatten

Der ÖGD war schon vor der Corona-Pandemie unterbesetzt. Durch die aktuelle Situation wird das Ausmaß der Überlastung unserer Gesundheitsämter offensichtlich. Im Kampf gegen das Virus muss daher Personal aufgestockt werden. Dieses muss zudem besser bezahlt werden.

Bevorratung von Schutzkleidung und Corona-Test-Material

Durch Hamsterkäufe in der Bevölkerung und den Ausfall von Produktionsketten kommt es vielerorts zu Lieferengpässen von Desinfektionsmitteln, Schutzkleidung und Tests. Für die Zukunft müssen wir uns darüber Gedanken machen, wie wir so etwas verhindern. Die Bevorratung solcher Utensilien ist zwingend. Es darf nicht passieren, dass denjenigen, die für die medizinische Versorgung der Menschen Verantwortung tragen, das Handwerkszeug dafür ausgeht. Die Materialien sollen im Bedarfsfall primär den Kliniken, den niedergelassenen Ärzten, den Pflegeheimen und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst zukommen.

Krisen-Kommunikation über eine zentrale Plattform

Im Falle einer Krise, die die Gesundheit der Bevölkerung betrifft, ist es von zentraler Bedeutung, dass sich die Fachöffentlichkeit (Ärzte, Kliniken und Pflegedienste) über eine zentrale Kommunikationsplattform über Leitlinien und Verfahrensanweisungen sowie Ansprechpartner informieren kann. Diese Transparenz ist aktuell nicht gegeben. Daher fordern wir eine Krisen-Kommunikation über eine zentrale Plattform.

Bessere Koordination der Kliniken im Krisenfall

Der Kampf gegen die Corona-Epidemie erfordert mehr Koordination. Die Angst um das Virus stellt gerade Krankenhäuser vor große Herausforderungen. Diese können nur gemeinsam gemeistert werden. Zu Beginn der Verbreitung des Virus und auch noch während der Epidemie haben die Krankenhäuser in Eigenregie agiert. Ein koordiniertes Vorgehen aller bayerischen Krankenhäuser ist dringend geboten. Im Gesundheitssektor müssen alle Kräfte gebündelt werden, um die Versorgung der Erkrankten sicherzustellen. So müssen – wie im Pandemieplan vorgesehen – nicht zwingend notwendige Operationen mit sofortiger Wirkung zurückgestellt werden. Ein finanzieller Ausgleich für die Kliniken muss durch den Freistaat erfolgen, um mögliche Insolvenzen, die durch Absagen von Behandlungen drohen, zu verhindern. Für schnelle und klare Information zwischen Leistungserbringen und Ministerium muss ein digitales Kapazitäts-Monitoring eingerichtet werden.

 

Dr. Dominik Spitzer

Dr. Dominik Spitzer ist Mediziner und gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag