FDP stellt kirchliche Privilegien infrage – Debatte über Einfluss auf die Gesellschaft

In Bayern genießen die Kirchen viele Privilegien. So werden christliche Geistliche wie Bischöfe vom Freistaat bezahlt, es gibt kirchlich geführte Bildungseinrichtungen und einige politische Gremien sind durch Vertreter der Kirche besetzt. Vor dem Hintergrund des erschütternden Gutachtens zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Erzbistum München und Freising stellt die FDP-Landtagsfraktion die kirchlichen Privilegien in Bayern auf den Prüfstand. Eine Arbeitsgruppe wird ab Mitte Juli den Einfluss der Kirchen auf die Gesellschaft debattieren.

"Angesichts der Vielzahl der Missbrauchsfälle, der staatsanwaltschaftlichen Zurückhaltung und des unzureichenden kirchlichen Umgangs damit müssen wir nochmals stärker über die Trennung von Kirche und Staat diskutieren", sagte der religionspolitische Sprecher der Fraktion Matthias Fischbach der "Augsburger Allgemeinen".
Die Kirche habe in vielen Bereichen Privilegien und Einfluss, der nicht mehr zeitgemäß erscheine. Er wolle keinen "dogmatisch laizistischen Staat, und wir müssen auch keine Feiertage abschaffen", so Fischbach. Zu fragen sei aber, ob denn ein Kirchenvertreter wie zuletzt Prälat Lorenz Wolf dem BR-Rundfunkrat vorsitzen, oder ob der Freistaat wirklich "über pauschalierte Zahlungen für die Gehälter von Geistlichen aufkommen" müsse.

Die Mehrheit der Bürger in Bayern befürworten eine stärkere Trennung von Staat und Kirche. Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag der FDP-Landtagsfraktion sprach sich die absolute Mehrheit von 66 Prozent der Befragten dafür aus. 19 Prozent stimmten dagegen, 12 Prozent waren unentschieden. Für die Umfrage wurden vom 25. bis zum 30. Mai 2022 insgesamt 1.000 Personen aus Bayern ab 18 Jahren befragt. (jba)