FISCHBACH: Lassen wir den Schulen mehr Freiheit beim Einsatz moderner Konzepte und Methoden

Die Corona-Pandemie hat den Schulalltag in Bayern völlig auf den Kopf gestellt. Seit Monaten findet kein normaler Unterricht statt. Regeln, Strukturen und Abläufe, die zum Teil seit Jahrzehnten nicht hinterfragt wurden, wurden von heute auf morgen außer Kraft gesetzt. Nach Einschätzung der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag bietet die Pandemie daher einmalige Bildungschancen, um mutig aus den bisherigen Gewohnheiten auszubrechen und das Zukunftsfeld Schule neu zu denken.

Bildungsexperte Matthias Fischbach

Auf einer Pressekonferenz stellte der bildungspolitische Sprecher Matthias Fischbach das Antragspaket "Bildungschancen aus der Krise" der FDP-Fraktion vor: "Ob Lehrermangel, Digitalisierung oder Testkonzept – jedes Thema hat Bayerns Schulpolitik verschlafen. Die aktuelle Krise ist jetzt eine Chance, um alte Strukturen aufzubrechen und langfristig und vorausschauend neue Impulse zu setzen."

Fischbach fordert unter anderem mehr Freiheit für die bayerischen Schulen beim Einsatz moderner Konzepte und Methoden: "Wir brauchen Freigestalter-Schulen mit angstfreier Innovationskultur." Als Beispiel nannte er das Konzept 'flipped classroom', dass auf ein Umdrehen der schulischen Aktivitäten setzt. "Aktuell ist das für viele Lehrkräfte ein Geheimrezept beim Wechselunterricht. Langfristig steckt darin eine Chance für die individuelle Förderung, wenn neuer Stoff daheim gelernt und in der Schule mit der Lehrkraft eingeübt wird."

Jetzt 1.000 Lehrkräfte als professionelle Corona-Feuerwehr bis 2025 sichern

Aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen in Schulen und Elternhäusern ist nach Einschätzung der FDP-Fraktion das Leistungsniveau der Schüler während der Krise immer weiter auseinandergedriftet. Daher sollten in allen Bildungseinrichtungen Intensivierungs- und Förderkurse zum Standardangebot gehören. Dazu Fischbach: "Hierzu fordern wir eine großangelegte Einstellungsoffensive, denn aktuell stehen noch gute Bewerber auf den Wartelisten: Mindestens 1.000 zusätzliche Lehrkräfte sollten wir schon aktuell als professionelle 'Corona-Feuerwehr' für die kommenden Jahre sichern. Wenn ab 2025 das neue G9 greift, werden wir sowieso eine Personalreserve für die zusätzliche Klassenstufe benötigen. Das wäre vorausschauende Politik."

Um die negativen sozialen Auswirkungen der Pandemie bestmöglich abzufedern, wollen die Landtagsliberalen das Netz der staatlichen Schulberatung verstärken und mit Hilfe digitaler Möglichkeiten einfacher zugänglich machen. Fischbach: "Wenn es zu Hause kracht, haben Kinder Angst, eine Krisen-Hotline anzurufen. Wir brauchen deshalb digitale und niedrigschwellige Hilfsangebote wie Messenger-Dienste, auf die die jungen Menschen rund um die Uhr zurückgreifen können. Diese Funktion übernehmen aktuell private Angebote wie krisenchat.de in Eigenregie – langfristig muss das gestützt und mit den schulischen Angeboten vernetzt werden! Ergreifen wir solche Chancen aus der Krise." (jba)

Alle Informationen zum Antragspaket "Bildungschancen aus der Krise"