HEUBISCH zum Semesterbeginn: Das Beste aus beiden Welten – für einen gelungenen Neustart

Seminarraum statt Video-Meeting: Nach eineinhalb Jahren kehren Studierende und Dozenten endlich an Bayerns Universitäten und Hochschulen zurück. Der Neustart in Präsenz ist richtig, doch mit einigen Hürden und Unsicherheiten verbunden. Eine Rückkehr zum präpandemischen Niveau ist ausgeschlossen. Welche Lehre ziehen wir aus den vergangenen drei Corona-Semestern und wie wird der Neustart nicht zum Fehlstart? Ein Beitrag von Dr. Wolfgang Heubisch, wissenschaftspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion und ehemaliger bayerischer Wissenschaftsminister.

Hörsaal

Der Campus als Geisterstadt, Studierende, die noch nie einen Hörsaal von innen gesehen haben, die wissenschaftliche Lehre nur im virtuellen Raum – nie hätte man sich auch nur ansatzweise ein solches Szenario vorstellen können. Doch die pandemiebedingten Schließungen der Hochschulen belehrten uns eines Besseren. Nach eineinhalb Jahren soll nun Schluss sein mit den rein digitalen Semestern. Gut so! Lehren und Lernen kann nicht auf Dauer allein im virtuellen Raum stattfinden. Es braucht den persönlichen Austausch vor Ort als unverzichtbaren Bestandteil des Studiums – für Studierende ebenso wie für Dozierende.

Dass aufgrund der aktuellen Infektionszahlen und einer sich weiter erhöhenden Impfquote die Lehre nun wieder in Präsenz stattfinden kann, ist eine Erleichterung für alle. Die Präsenzlehre muss auf Dauer gesichert bleiben. Hierzu bedarf es mehr Impfangebote vor Ort – auch für ausländische Studierende, die oftmals in ihren Heimatländern noch keine Impfmöglichkeit hatten. Auch müssen finanzielle Mittel für zusätzliche Hochschulkurse bereitgestellt werden, um dem Nachholbedarf vieler Studierender gerecht zu werden. Zugleich müssen Tutoren-Programme und Mentoring-Angebote ausgeweitet sowie der Betreuungsschlüssel beispielsweise bei studienbegleitenden Praktika erhöht werden.

Während der Corona-Pandemie haben die Hochschulen viel umstrukturiert, investiert und neu geplant, um den Lehrbetrieb aufrechtzuerhalten. Hier kann man wunderbar anknüpfen und Synergien zu nutzen. Beim Blended-Learning etwa kann man das Beste aus beiden Welten – Online & Präsenz – zusammenführen. Diese hybriden Formate gilt es gezielt zu fördern. Das Credo muss lauten: Präsenz-Lehre, wo möglich und sinnvoll. Digitale Lehre, wo nötig und wirksam. Auch dürfen die neuen Online-Angebote, wie die mittlerweile breit verfügbaren digitalen Bestände an Fachliteratur und Lern-Videos, nicht nach dem Entweder-Oder-Prinzip gleich wieder verschwinden. Im Gegenteil: Die Digitalisierung unserer Forschungs- und Bildungsstätten muss weiter vorangetrieben und gestärkt werden.

Dafür braucht es auch endlich das Hochschulinnovationsgesetz. Seit seiner Ankündigung 2019 liegt es in der Schublade von Wissenschaftsminister Bernd Sibler – und verstaubt noch bevor es in Kraft ist. Hier muss Sibler endlich einen Gang höher schalten!

Bleibt am Ende festzuhalten: Studierende und Dozierende können nicht an das Uni-Geschehen von vor Corona anknüpfen, sie werden sich ab dem Wintersemester 2021/22 in einer vollkommen neuen Situation wiederfinden. Die gilt es als Chance zu begreifen und engagiert mitzugestalten – gerade auch von Seiten der Politik. Allen Studierenden und Dozierenden wünsche ich einen schönen und erfolgreichen Semesterbeginn!