Crowdfunding-Plattform für die Kultur Bayerns

Antrag der Abgeordneten Martin Hagen, Dr. Wolfgang Heubisch, Julika Sandt, Alexander Muthmann, Matthias Fischbach und Fraktion FDP

Der Landtag wolle beschließen:

Die Staatsregierung wird aufgefordert, eine bayernweite Crowdfunding-Plattform für Projekte aus den Bereichen Kunst und Kultur sowie Kultur- und Kreativwirtschaft nach dem Vorbild der Stadt München (kreativ-muenchen-crowdfunding.de) zu entwickeln und einzurichten. Die Zusammenarbeit mit der deutschen Crowdfunding-Plattform Startnext, die sich weitgehend auf die Bereiche Kultur und Nachhaltigkeit spezialisiert hat und mit der die Stadt München kooperiert, ist hierfür zu überprüfen. Mit geeigneten Kommunikations- und Marketingmaßnahmen ist die Crowdfunding-Plattform in der Kreativszene Bayerns zu etablieren. Für Projektinitiatoren sind Beratungs- und Schulungsangebote zur erfolgreichen Durchführung von Crowdfunding-Kampagnen anzubieten. Durch das Förderprogramm "Crowdfunding Bayern" soll für Kreativdienstleistungen, die für die Vorbereitung einer Crowdfunding-Kampagne auf der bayernweiten Plattform bei Unternehmerinnen und Unternehmern in Bayern eingekauft werden (z.B. Pitch-Video, Logo, Marketing- und PR-Maßnahmen), ein Zuschuss von 75 % Prozent (bis zu maximal EUR 3.000) beim Freistaat beantragt werden können. Die Crowdfunding-Plattform soll in Ergänzung zu bestehenden Förderprogrammen in die Förderlogik des Freistaats Bayern eingebunden werden. Über Planung und Realisierung der bayernweiten Crowdfunding-Plattform ist der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst des Bayerischen Landtags regelmäßig zu informieren.


Begründung

Beim Crowdfunding unterstützt eine Vielzahl von Menschen ein (kulturelles) Projekt finanziell und ermöglicht es auf diese Weise: Der Initiator entwickelt ein Projekt und stellt es auf einer digitalen Crowdfunding-Plattform vor. Damit es für die Unterstützer einen Anreiz zur Mitfinanzierung gibt, werden unterschiedlichste Gegenleistungen angeboten. Die Förderer werden so an das Zustandekommen des Projekts gebunden. Ob ein Projekt realisiert wird, wird direkt durch die Crowd entschieden.

Das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft München hat die Chancen von Digitalisierung und Crowdfunding erkannt und eine Crowdfunding-Plattform erfolgreich für die Stadt eingerichtet, um den vielfältigen kulturellen und kreativwirtschaftlichen Projekten Bayerns zusätzliche Finanzierungsquellen zu erschließen, Finanzierungslücken zu schließen und die Projektinitiatoren bei der Entwicklung von Kundenmanagement und Kundenbindung zu unterstützen. Dieses Konzept soll auf den Freistaat übertragen werden. Mit dem Förderprogramm "Crowdfunding Bayern" soll zudem die Vernetzung unter Bayerns Kultur- und Kreativschaffenden unterstützt und Anreize gegeben werden, in Bayern ansässige Anbieter der Kultur- und Kreativwirtschaft zu beauftragen. Für potentielle Förderer ist die Veröffentlichung eines Projekts über eine Crowdfunding-Plattform des Freistaats Qualitätsmerkmal, schafft lokalen Bezug und Identifikation. Eine derartige Plattform für ganz Bayern zu etablieren bietet dem Freistaat Bayern erhebliche Vorteile:

1.Informationen über die Kulturszene Bayerns

Die fehlgeschlagenen Hilfestellungen in der Corona-Pandemie für Kulturschaffende haben zutage gebracht, dass die bayerische Staatsregierung zu wenig Kenntnisse über die beruflichen Realitäten und die Arbeitsweise von Kulturschaffenden zu haben scheint. Die bayernweite Crowdfunding-Plattform trägt dazu bei, die Kulturszene Bayerns sichtbar und erfahrbar zu machen. Crowdfunding ist dabei als Ergänzung und nicht als Ersatz für öffentliche Mittel zu sehen. Perspektivisch liegt in der Kombination von Crowdfunding und öffentlicher Förderung erhebliches Potential zur Steigerung der Qualität und zum Erfolg der geförderten Projekte: Kultur- und Kreativschaffende können den Förderern belegen, dass es einen Markt und eine Crowd für das entsprechende Vorhaben gibt. Für den Freistaat bedeutet eine eigene Kultur-Crowdfunding-Plattform eine Förderung des positiven Images in der Kreativszene, Bürgernähe und Transparenz.

2.Professionalisierung der Projekte, Initiatoren und des Projektmanagements:

Crowdfunding ist mehr als ein Finanzierungsmittel. Denn jede Künstlerin und jeder Künstler ist ihr/sein eigener Unternehmer. Crowdfunding qualifiziert, indem es betriebswirtschaftliches Know-how und Handwerkszeug vermittelt und professionelles Audience Development ermöglicht: Projektinitiatoren müssen sich beim Crowdfunding bereits zu Projektstart mit Zielgruppenanalyse, Kommunikation und Marketing, Werbung und PR für ihr Projekt auseinandersetzen. Die bayernweite Crowdfunding-Plattform hilft dabei, das Projekt der Öffentlichkeit sichtbar zu machen und für Aufmerksamkeit zu sorgen. In der Folgefinanzierung kann Crowdfunding zudem als Erfolgsnachweis dienen und die Verhandlungsposition bei möglichen Investoren erheblich verbessern. Für die erfolgreiche Durchführung einer Kampagne auf der bayerischen Crowdfunding-Plattform sind Wissensvermittlung und Coaching im Vorfeld entscheidende Faktoren, Beratungs- und Schulungsangebote sind daher notwendig.

3.Demokratisierung, Bürgernähe und Teilhabe:

Kulturelles Crowdfunding ist bürgerschaftliches Engagement und ermöglicht Partizipation und Identifikation durch eine enge Bindung zwischen Geldgeber und Projekt. Die Finanzierung durch einen Schwarm ist ein Demokratisierungsprozess, die Unterstützung von Projekten über eine bayernweite Crowdfunding-Plattform für Projekte aus den Bereichen Kunst und Kultur sowie Kultur- und Kreativwirtschaft eine Form der aktiven Teilhabe am Kulturstaat Bayern.