Digitale Schulbücher - aber richtig!

der Abgeordneten Martin Hagen, Matthias Fischbach, Julika Sandt, Alexander Muthmann und Fraktion (FDP)


Der Landtag wolle beschließen:

Der Bayerische Landtag fordert die Staatsregierung dazu auf, es jeder Schule und Lehrkraft zu ermöglichen, selbst modulbasiert ein vollwertiges digitales, interaktives und multimediales Schulbuch nach den Bedürfnissen ihrer Schülerinnen und Schüler individuell und differenziert zusammenzustellen. Dazu soll sie eine plattformbasierte Bereitstellung hochwertiger digitaler Inhalte in der Art organisieren, dass damit in Summe die Umsetzung des gesamten Lehrplans der verschiedenen Schularten mindestens in einer fachlich vom ISB überprüften Variante abgebildet werden kann. Langfristig sollte das Ziel eine vielfältige Auswahl von alternativ einsetzbaren digitalen Lehr- und Lernmaterialien sein.

Dabei soll die Staatsregierung folgende Punkte beachten:

  • Die Medienabteilung im ISB soll dafür ertüchtigt werden, eine möglichst zeitnahe Sichtung der von Lehrkräften in eine zentrale Mediathek (aktuell mebis tube) hochgeladenen Unterrichtsinhalte sicherzustellen. Vom ISB als fachlich fundiert und urheberrechtlich einwandfrei angesehene Inhalte (wie beispielsweise Lernvideos oder interaktive Lernmaterialien) sollen besonders gekennzeichnet, einfach auffindbar kategorisiert bereitgestellt und entsprechenden Lehrplanabschnitten zugeordnet werden. Idealerweise sollten die Inhalte unter Creative Commons Lizenzen zum bestmöglichen Austausch von „Best-practice Unterrichtsmaterial“ zwischen den Schulen bereitgestellt werden.
  • Darüber hinaus soll ein Wettbewerb um beste und vielfältige Lernmaterialien auch mit externen Anbietern wie Schulbuchverlagen und anderen privaten Content-Erstellern losgestoßen werden. Hierzu sollen zu den jeweiligen Lehrplanabschnitten Rahmenverträge zur Contentbereitstellung unter freien Lizenzen für entsprechendes Unterrichtsmaterial ausgeschrieben und die besten Angebote von einer Fach-Jury ausgewählt werden. Für die Ausschreibungen sollen im Benehmen mit dem Bayerischen Landtag Richtlinien definiert werden. Bei der Ausschreibung nicht berücksichtigte und hochwertige Angebote können darüber hinaus nach einer inhaltlichen und rechtlichen Prüfung weiter auch kostenfrei über eine Creative Commons Lizenz oder kostenpflichtig in der zentralen Mediathek bereitgestellt werden.
  • Es soll geprüft werden, inwiefern gezielt lokalspezifische Inhalte und weitere Materialien von öffentlichen Stellen (z.B. aus kommunalen Medienzentren, BayernLabs oder Museen) in dieses System eingepflegt werden können.
  • Das Angebot soll möglichst so aufgebaut werden, dass eine schnelle und einfache bundes- oder ggfs. auch europaweite Skalierung unter Einbeziehung anderer (Bundes-)Länder möglich ist.
  • Das StMUK soll darüber hinaus dem zuständigen Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags jährlich seine Pläne zur Weiterentwicklung der digitalen Schulinhalte vorlegen.
  • Bei der Umsetzung des Konzepts ist eine landesweite Kommunikationsstragie zur Einführung entscheidend und es sind laufend entsprechende Aus- und Fortbildungsangebote bereitzustellen und weiterzuentwickeln.


Begründung

Bislang steht in der zentralen mebis Mediathek unter anderem von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und den kommunalen Medienzentren bereitgestelltes Material. Die inhaltliche Verantwortung liegt bereits in der Zuständigkeit der Medienabteilung des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung. Die geplante Erweiterung durch „mebis tube“ ist darauf gerichtet, der gesamten Schulgemeinschaft den Zugang zu von Lehrkräften produzierten Inhalten, insbesondere Lernvideos, zu eröffnen, die rechtssicher im Unterricht sowie beim Distanzlernen eingesetzt werden können.

Dieses bislang absehbare Angebot schöpft aber die vielfältigen Möglichkeiten zur Unterstützung des digitalen Lernens bei Weitem noch nicht aus. Bereits jetzt gibt es auf dem Markt der Schulbuchverlage sowie der privaten Content-Anbieter eine große Anzahl an hochwertigen Angeboten, die nicht ansatzweise in dieser Qualität in der zentralen Mediathek abgerufen werden können. Durch eine mit guter Strukturierung und Qualitätssicherung über das ISB organisierte Anreicherung des digitalen Contents, kann es schon sehr schnell möglich werden, einen dem Lehrplan entsprechenden, vollwertigen Schulbuchinhalt aus digitalen Angeboten zusammengesetzt darzustellen. Auf dieser Basis kann dann jede Lehrkraft bzw. jede Schule eigenständig entscheiden und auswählen, mit welchen Medieninhalten sie ihren Schülern individuell den Lehrstoff am besten vermitteln wollen und können. Somit kann sich praktisch jeder selbst sein eigenes Schulbuch mit den bevorzugten Inhalten zusammenstellen und ist nicht weiter auf nur einen Anbieter angewiesen.

Eine umfassende Mediathek würde auch einen großen Anreiz für die ganze Schulfamilie darstellen, digitale Medien und Inhalte stärker einzusetzen und damit die Bildungsqualität und Chancengerechtigkeit zu erhöhen. Außerdem entsteht dadurch eine größere Unabhängigkeit vom Präsenzunterricht und größere, individuell passende Übungsmöglichkeiten, die in der jetzigen Situation der Corona-Pandemie dringend gebraucht würden.

Didaktisch hochwertige, individualisierbare und rechtlich einwandfreie digitale Lernmaterialien sind ein zentraler Baustein, die hochkomplexe und vernetzte Gegenwart und Zukunft gestalten zu können. Die (digitalen) Fähigkeiten und Bereitschaften zu kommunizieren, kritisch zu reflektieren und kreativ zu kooperieren stehen dabei im Zentrum der Entwicklung junger Menschen.