Lernlücken schließen – Bayerischer Nachhilfe-Gutschein jetzt!

Dringlichkeitsantrag der Abgeordneten Martin Hagen, Matthias Fischbach, Julika Sandt, Alexander Muthmann, FDP

Der Landtag wolle beschließen:

 

Den pandemiebedingten Lernrückständen muss entschieden entgegengewirkt werden. Regional und individuell sind bereits jetzt große Unterschiede und Benachteiligungen erkennbar.

Im ersten Schritt müssen deshalb die individuellen Lernlücken bei Schülerinnen und Schülern erkannt und der Unterstützungsbedarf systematisch erfasst werden. Das am 04. Mai 2021 von der Staatsregierung beschlossene, "umfassende" Bildungsmonitoring mit Lernstandserhebungen ist deshalb dringend nötig und sollte in enger Abstimmung mit der Schulfamilie durchgeführt werden. Auf transparente und vergleichbare Rahmenbedingungen ist hierbei besonders zu achten und die Besonderheiten einzelner Schularten zu berücksichtigen. Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus soll den vom Ministerrat hierzu beschlossenen Bericht nach Fertigstellung gleichzeitig auch dem Landtag zukommen lassen.

Im zweiten Schritt gilt es, die nötigen Voraussetzungen für individuelle Förderangebote zu schaffen und eine faire, schnelle und unbürokratische Ressourcenzuteilung zu ermöglichen. Durch eine Einstellungsoffensive sollten schon jetzt mindestens 1000 zusätzliche Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal zur gezielten Lernförderung in allen Schularten in den nächsten Jahren angestellt und zumindest teilweise auch für den absehbaren, zusätzlichen Lehrkräftebedarf durch das G9 ab 2025 gesichert werden.

Für die Umsetzung beider Schritte sind digitale Unterstützungsmöglichkeiten frühzeitig zu prüfen und einzubinden.

Begründung

Aktuell wird in der Bundesregierung ein bundesweites Programm zur Kompensation der pandemiebedingten Lernrückstände diskutiert. Es ist aber bereits absehbar, dass dieses nicht den erforderlichen Umfang haben wird, da bei einer Milliarde Bundesmitteln nach den gängigen Schlüsseln etwa mit 150 Millionen für Bayern gerechnet werden kann. Außerdem wird es voraussichtlich erst im nächsten Schuljahr anlaufen. Die Erfahrungen mit dem Bund-Länder-Programm "DigitalPakt Schule" zeigen die Gefahr hoher bürokratischer Hürden bei der Umsetzung solcher Programme. Deshalb ist entscheidend, eine Bildungsgutschein-Struktur zu schaffen, die schnell Wirkung entfaltet, um die pandemiebedingten Lernlücken der Schülerinnen und Schüler zeitnah zu schließen.

Eine Studie des Ifo-Instituts schätzt auch während der zweiten Pandemiewelle, dass sich die Schüler durchschnittlich pro Schultag um mehr als drei Stunden weniger mit schulischen Aktivitäten beschäftigt haben. Unabhängig von psychosozialen Belastungen ist deshalb auch ein enormer Förderbedarf bezüglich der schulischen Inhalte absehbar. Selbst wenn eine weitere "Entschlackung" der Lehrpläne in den kommenden Jahren gelingt, wird dies wahrscheinlich nicht ausreichend sein können. Die bisher beantragten Mittel durch das Kultusministerium (8 Mio. € für die weitere befristete Beschäftigung Externer, 7 Mio. € für ein Tutorenprogramm und 5 Mio. € für ein BJR-Ferienprogramm) sind bei weitem unzureichend für die Bedürfnisse von rund 1,65 Millionen Schülerinnen und Schüler in Bayern. Ein eigenes bayerisches Förderprogramm ist deshalb sinnvoll - andere Bundesländer, wie beispielsweise Mecklenburg-Vorpommern ("Unterstützungsprogramm Schule") haben hier bereits eigene Initiativen gestartet.

 

Hintergrund

Beachte 2021-04-23 Bürgersprechstunde → Informationen des Studienkreises können bei der weiteren Ausarbeitung hilfreich sein.

Zur konkreten Gestaltung soll die Staatsregierung umgehend einen digitalen Marktplatz wie etwa www.bayernbuchtbildung.de einrichten, bei dem Lernanbieter Nachhilfeprogramme einstellen und die Schülerinnen und Schüler Gutscheine für Nachhhilfe einlösen können.

Der Freistaat gewährleistet auf dem digitalen Marktplatz die Qualität der Nachhilfeangebote, indem er den Nachweis der Zertifikate und deren Echtheit sicherstellt.

Zusätzlich sollen auch aktive sowie pensionierte Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit erhalten, ehrenamtlich Nachhilfe(-Unterricht) in den Sommerferien 2021 zu geben.

 

Ein Angebot in Form eines neues digitalen Marktplatzes wie etwa www.bayernbuchtbildung.de könnte hier eine qualitativ hochwertige Lösung sein. Voraussetzung dafür sollen die üblichen Zertifikatnachweise der Lernangebote sein, deren Echtheit der Freistaat gewährleistet.

https://www.ifo.de/node/62918