Umsetzung des angekündigten Schulfachs „Alltagskompetenz und Lebensökonomie“

Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Matthias Fischbach FDP

In der Stellungnahme der Staatsregierung (Drs. 18/1736), die am 18.04.2019 mit dem Gesetzentwurf zum Volksbegehren „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen!“ vom Ministerpräsidenten an die Landtagspräsidentin übermittelt worden ist, wird unter anderem empfohlen: “Schulen sollen verstärkt Allgemeinkenntnisse zu Naturschutz und Landwirtschaft vermitteln, um besseres Verständnis für regionale Lebensmittelerzeugung, Arbeitsmethoden und Leistungen für Natur und Umwelt zu erreichen. ‘Alltagskompetenz und Lebensökonomie’ wird eigenständiges Schulfach. Coaching-Programme, neue besonders kreative Ideen werden prämiert. Vermittlung von haus- und landwirtschaftlichem Verständnis in Lehreraus- und -fortbildungen, Einbindung externer Fachkräfte in den Unterricht.”

Am 10.04.2019 wurde in der Süddeutschen Zeitung [1] der Plan eines eigenen Schulfachs noch von Staatsminister Michael Piazolo lediglich als “Willensbekundung” bezeichnet.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Staatsregierung:

1.

a) Inwieweit besteht Einigkeit zwischen Staatsminister Michael Piazolo und den restlichen Mitgliedern der Staatsregierung bezüglich der bildungspolitischen Forderungen aus der Stellungnahme (unter besonderer Berücksichtigung der Pläne eines eigenständigen Schulfachs “Alltagskompetenz und Lebensökonomie”)?

b) Welche Argumente sprachen bisher aus Sicht der Staatsregierung dagegen, ein eigenständiges Schulfach einzuführen?

c) Welche konkreten Überlegungen im Rahmen der Diskussion rund um das Volksbegehren haben dazu beigetragen, dass die Staatsregierung nun die Einführung des eigenständigen Schulfachs befürwortet (bitte unter Nennung der Argumente und der Ideengeber zu dieser Initiative)?

2.  

a) In welcher Form (bitte insbesondere bezüglich der Umsetzung in verschiedenen Schularten, Klassenstufen sowie als Wahl- bzw. Pflichtfach beantworten) möchte die Staatsregierung dieses Schulfach umsetzen?

b) Welche Überlegungen haben die Staatsregierung zu der Erkenntnis gebracht, es sei sinnvoller, ein neues Fach “Alltagskompetenz und Lebensökonomie” zu schaffen, anstatt das Leitfach der politischen Bildung zu stärken?

c) Welche Überlegungen haben die Staatsregierung zu der Erkenntnis gebracht, es sei sinnvoller, ein neues Fach „Alltagskompetenz und Lebensökonomie“ zu schaffen, anstatt die MINT-Fächer zu stärken?

3.

a) Inwieweit sind die Inhalte des ISB-Leitfadens zur Umsetzung des schulart- und fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungsziels „Alltagskompetenz und Lebensökonomie (Gesundheit, Ernährung, Haushaltsführung, Selbstbestimmtes Verbraucherverhalten, Umweltverhalten, 2015)“ bereits im LehrplanPLUS verankert (bitte Aufschlüsselung nach Schulart, Schulfach und Jahrgangsstufe)?

b) Hat das Kultusministerium hierzu eine Erhebung beauftragt, die analysiert, in welchem Umfang die Handlungsfelder „Alltagskompetenzen und Lebensökonomie“ des ISB-Leitfadens von 2015 im LehrplanPLUS umgesetzt werden?

c) Falls ja, wie sieht diese aus?

4.

a) Welche Abweichungen vom Konzept/Leitfaden “Alltagskompetenz und Lebensökonomie” des ISB von 2015 plant die Staatsregierung für das neue eigenständige Schulfach (bitte unter Nennung von zusätzlichen Inhalten oder Streichungen/Änderungen selbiger)

b) Aus welchen Gründen erachtet es die Staatsregierung für sinnvoll, bereits bestehende Inhalte zu „Alltagskompetenz und Lebensökonomie“ im LehrplanPLUS aus den jeweiligen Fächern auszugliedern, um ein neues Schulfach zu schaffen?

5.

a) Welche Fachlehrerinnen und -lehrer sollen federführend die neuen Inhalte lehren?

b) Wie will die Staatsregierung die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer für die Unterrichtsvermittlung gewährleisten?

c) In welcher Höhe entstehen hierdurch zusätzliche Kosten?

6.

a) Bis zu welchem Zeitpunkt soll das neue Schulfach eingeführt werden?

b) Ist hierfür eine erneute, zeitnahe Anpassung des LehrplanPLUS notwendig?

c) Welche weiteren Anpassungen werden durch die Einführung des eigenständigen Schulfachs notwendig?

7.

a) Welche Erkenntnisse hat die Regierung zu Kompetenzmängeln von Schulabgängerinnen und -abgängern nach dem Übertritt zu Hochschulen oder dem Einstieg ins Berufsleben (bitte aufgeschlüsselt nach Schulformen)?

b) Inwiefern wird diesen durch die geplante Einführung des neuen Schulfachs begegnet?

c) Wird sich die Belastung für Schülerinnen und Schüler durch das neue eigenständige Schulfach erhöhen?

8. Welche noch nicht im Maßnahmenkatalog genannten, bildungspolitischen Ideen aus dem “Runden Tisch” unter Leitung von Alois Glück erachtet die Staatsregierung noch als beachtenswert?

[1] https://www.sueddeutsche.de/bayern/bildung-soeder-will-neues-schulfach-… (zuletzt abgerufen am 13.05.2019)