FDP-Fraktion setzt auf GanztagsBILDUNG statt nur Betreuung: Jedes Kind verdient es, über den ganzen Tag optimal gefördert zu werden

Bayern hinkt beim Ausbau der schulischen Ganztagsangebote seit Jahren hinterher. Im bundesweiten Vergleich liegt der Freistaat auf dem letzten Platz. Um den ab 2026 beschlossenen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz zu erfüllen, müssten einer Studie zufolge bis 2030 zwischen 108.000 und 136.000 zusätzliche Plätze geschaffen werden. Da für die FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag aber nicht nur der quantitative, sondern vor allem der qualitative Ausbau des Ganztagsangebots Priorität hat, haben die Landtagsliberalen ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt. 

In dem Positionspapier GanztagsBILDUNG formuliert die Landtags-FDP bereits heute eine Vision für klare Zuständigkeiten und attraktive Bedingungen für den Ausbau in Bayern. Durch erweiterte Weisungs- und Budgetbefugnisse an Schulen und neue Förderinstrumente soll insbesondere die Bildungskomponente der bestehenden und zukünftigen Angebote gestärkt werden. Eine Reihe an Maßnahmenvorschlägen zur Abfederung des anhaltenden Personalmangels im Erziehungswesen sowie im Lehramt werden zudem im Rahmen des Papiers dargestellt. Um den quantitativen Ausbau der Ganztagsangebote zu beschleunigen, wird die Mittagsbetreuung reformiert und mit einem neuen Finanzierungsinstrument nach dem Gutscheinmodell – angelehnt an das bayerische Kinder- und Bildungsgesetz – an das Hortsystem angenähert. Das neue qualitativ hochwertigere Angebot soll "schulische Ganztagsbetreuung" heißen und zur staatlichen Aufgabe erklärt werden. Auf dessen Basis soll es zusätzlich eine Bildungsprämie für besonders erfolgreiche Ganztagsangebote geben. Diese könne in den nächsten drei Jahren per breit angelegtem Modellversuch erprobt werden.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag Matthias Fischbach erklärt: "Das Thema Ganztag wirkt bei Kultusminister Piazolo wie ein ungeliebtes Stiefkind. Bayern ist bundesweit Schlusslicht, was den Ausbau von offenen und gebundenen Ganztagsangeboten in Grundschulen betrifft – und auch innerhalb Bayerns sehen wir deutliche Schwankungen zwischen den Regionen. Deshalb muss der vom Bund beschlossene Rechtsanspruch ab 2026 als Initialzündung für eine Aufholjagd begriffen werden.

Wir brauchen eine Reform der bestehenden Programme in Bayern. Sie sind zu bürokratisch und unflexibel. Wie starre Schablonen werden sie auf die Situation vor Ort gepresst. Außerdem braucht es klare Zuständigkeiten. Aktuell kämpfen die Kommunen mit unattraktiven Förderangeboten und das Thema hängt zwischen Sozial- und Kultusministerium in der Luft. Keiner will wirklich Verantwortung übernehmen. Wir sagen daher klar: Ganztag soll eine schulische Veranstaltung werden, da muss auch das Kultusministerium federführend sein."

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende sowie kinder- und jugendpolitische Sprecherin der FDP im Bayerischen Landtag Julika Sandt ergänzt: "Wir wollen jedes Kind bestmöglich individuell fördern. Dazu brauchen die Schülerinnen und Schüler eine attraktive Auswahl an hochwertigen Angeboten. Das neue Angebot soll freiwillig und überzeugender als die bisherigen Ganztagsprogramme sein. Um das zu erreichen, brauchen wir außerdem eine Aus- und Weiterbildungsoffensive und mehr Kooperationen, beispielsweise mit Sportvereinen und Anbietern kultureller Bildung."

Die Details unseres Positionspapiers:

Kernthema: Personalgewinnung

  • Personalbindung durch attraktivere Arbeitsbedingungen (individuellere Verträge mit Leistungsanreizen, gut ausgestattete Arbeitsplätze).
  • Ausbildungskapazitäten in Bayern erhöhen, Attraktivität steigern und ausreichende Finanzierung für bestehende Ausbildung (Fachakademien) sichern.
  • Quereinsteigerprogramme für Lehramt und pädagogische Fachkräfte auf hohem Niveau schaffen.
  • Anerkennung ausländischer Abschlüsse sowie gezielte Anwerbung der Fachkräfte im Ausland.
  • Stärkere Entwicklung von multiprofessionellen Teams durch klare Zuständigkeit, Fortbildungen und flexible Personalbudgets.
  • Anreize für Teilzeitkräfte zur Aufstockung (z.B. Kinderbetreuung, Reform Sprengelpflicht, finanzielle Förderung).
  • Vermehrte entgeltliche Einbindung von Lehramtsstudierenden.

Strukturreform: GanztagsBILDUNG statt nur Betreuung

  • Zuständigkeit für Ganztag klar zuordnen und attraktive Bedingungen für Ausbau schaffen: Ziel Ganztagsangebote aus einer Hand. Mehr Freiheit, um volles Spektrum der Ganztagsangebote bedarfsgerecht einsetzen zu können.
  • Finanzierung von Mittagsbetreuung in neuem Instrument nach Gutscheinmodell (angelehnt an BayKiBiG) an das System der Horte annähern und attraktive Anreize zum sofortigen Ausbau geben. Schulische Ganztagsbetreuung wird zur staatlichen Aufgabe (100% Personalkosten) und Basis des langfristigen Modells.
  • Anreize für mehr Bildung im Ganztag über Schulversuch ab 2022/2023 austesten und ausbauen (Laufzeit 3 Jahre, zur Qualitätssteigerung durch Erprobung neuer Förder- und Anreizinstrumente; neue Verantwortlichkeiten und Befugnisse für Schulen: Budget- und Weisungshoheit). 
  • Schaffung eines bayerischen Rechtsanspruchs auf GT-Bildung bis zur 6. Jahrgangsstufe ab 2025 - mit einheitlichem Fördersystem durch Evaluation des Schulversuchs; Ziel: Ergebnisabhängige Finanzierungszusage, die zur Bildungsprämie entwickelt wird.


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