SANDT zur Situation der Prostituierten in Bayern: Nicht Verbote helfen, sondern Respekt und Beratung

Im Sozialausschuss des Bayerischen Landtags fand heute auf Initiative der FDP-Fraktion, unterstützt von den Grünen, eine Sachverständigenanhörung zur "Situation der Prostituierten in Bayern" statt. Die Sachverständigen setzten sich dabei aus Sexarbeiterinnen, Wissenschaftlern sowie Mitarbeitern in Beratungsstellen und Verbänden zusammen. Die stellvertretende Vorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion Julika Sandt erklärt nach der Anhörung:

"Die Sachverständigen stellten fest, dass die Gewalt gegenüber Prostituierten während der Pandemie zugenommen hat. In dieser Zeit war Prostitution verboten. Das zeigt für mich: Mit einem Verbot von Sexarbeit ist den Betroffenen nicht geholfen. Was sie brauchen, ist Respekt und Anerkennung. Doch gerade hier ist die Gesetzgebung in Bayern kontraproduktiv. Die Sperrbezirksregelung etwa verbietet die Prostitution in Gemeinden unter 30.000 Einwohnern. Sexarbeitende machen sich strafbar, wenn sie doch arbeiten, die Freier kommen meist straffrei davon.

So kontrovers die Anhörung in vielen Punkten war – die Sachverständigen waren sich einig, dass eine gezielte Beratung vor Ort in Bayern unbedingt ausgebaut werden muss. Die Anhörung hat auch gezeigt, wie vielschichtig Sexarbeit ist – vom Domina-Studio bis hin zur Sexualassistenz für Senioren oder Menschen mit Behinderung. Das Thema darf kein Tabu sein – auch und gerade weil wir sexuelle Ausbeutung verhindern wollen. Auch deshalb muss die Istanbul-Konvention in Bayern kompromisslos umgesetzt werden. Die sehr unterschiedlichen Zahlen, die hinsichtlich illegaler Prostitution im Raum stehen, zeigen vor allem eines: Die Datenlage dazu ist in Bayern völlig unzureichend. Wir benötigen daher dringend eine wissenschaftliche Aufarbeitung. Nur so kann auch die illegale Prostitution weniger und die Selbstbestimmung gestärkt werden.“

Pressefotos von Julika Sandt finden Sie hier.