SANDT: Sexarbeit in Bayern vom Stigma befreien

Ein Großteil der Sexarbeiterinnen und -arbeiter führt ein Leben abseits der sozialen Wahrnehmung. Um Stigmatisierung und Kriminalisierung der Prostituierten zu entgegnen, muss das Thema aus der Tabu-Ecke raus. Dazu bedarf es verschiedener Maßnahmen. Die Landtagsliberalen haben dazu ein Antragspaket eingebracht, das die Situation der Betroffenen verbessern soll.

Julika Sandt

Julika Sandt

Am 12. Mai 2022 erfolgte im Bayerischen Landtag auf Bestreben der FDP-Fraktion die erste Anhörung zum Thema der Sexarbeit. Auf Grundlage der Aussagen der  Sachverständigen und eines Ortstermins haben die Landtagsliberalen ein umfassendes Antragspaket erarbeitet. Ziel ist es, konsequenter gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution vorzugehen und Sexarbeiterinnen und -arbeiter vor Stigmatisierung und Kriminalisierung zu schützen.

Dazu erklärt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im Bayerischen Landtag Julika Sandt: „Wenn wir die Situation der Prostituierten verbessern wollen, muss das Thema raus aus der Tabu-Ecke und rein in eine sachliche politische Diskussion. Mit unserem Antragspaket wollen wir ein Gleichgewicht zwischen selbstbestimmter Berufsausübung in der Sexarbeit und einem verstärkten Schutz vor sexueller Ausbeutung herstellen“, sagt Sandt. Und weiter: „Bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter erreichen wir nur, indem wir dieses Berufsfeld entkriminalisieren und entstigmatisieren. Denn während der Corona-Maßnahmen hat sich gezeigt: Verbote verschieben die Sexarbeit nachweislich in den Untergrund. Und illegale Sexarbeit ist gefährlicher als legale.“

Die FDP-Fraktion will bürokratische und institutionelle Hürden für die Ausübung von Sexarbeit abbauen. Die Anmietung von Wohnungen durch mehrere angemeldete Prostituierte soll erleichtert werden, damit sie eine Alternative zum Großbordell haben. Auch die Sperrbezirksregelung wollen die Freien Demokraten liberalisieren. Die wenigen bayerischen Fachberatungsstellen sollen zu einem landesweiten Netz ausgebaut werden, das in jedem Bezirk vertreten ist und sowohl Ausstiegs-, Einstiegs- als auch Lebensberatung anbietet und somit objektiv über den Beruf informieren kann. Gleichzeitig will die FDP-Landtagsfraktion, dass die Anstrengungen bei der Prävention und dem Opferschutz bei Zwangsprostitution und Menschenhandel entscheidend ausgebaut werden – beispielsweise durch gezielte Aufklärungskampagnen und Frauenhaus-Plätze auch für Opfer von nicht-häuslicher sexueller Gewalt. 

Kernforderungen & Ziele:

  • Gleichgewicht zwischen freier Berufsausübung durch selbstbestimmte Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter und einem Schutz vor kriminellen Praktiken im Bereich der Prostitution
  • Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern verbessern
  • Bürokratische und institutionelle Hürden für die Ausübung der Tätigkeit abbauen
  • Mehr Beratung und fachliche Unterstützung für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter
  • Sperrbezirksregelung liberalisieren
  • Sonderfonds zur Sicherung des Lebensunterhalts für Ausstiegswillige
  • Mehr Forschung in diesem Bereich und eine bessere Beteiligung von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern an Entscheidungen der Politik
  • Mehr Prävention und einen besseren Schutz für Opfer von Zwangsprostitution oder Menschenhandel z. B. durch Aufklärungskampagnen über Zwangsprostitution
  • Kapazitäten in den Gesundheitsämtern erhöhen
  • Kostenfreie gesundheitliche Versorgung
  • Psychosoziale Unterstützung
  • Runder Tisch auf Landesebene

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